Das Oberlandesgericht Hamm hat im September 2014 entschieden, dass ein Patient von einem Krankenhaus 20.000,- € Schmerzensgeld verlangen kann, nachdem er im Krankenhaus ohne ausreichende Aufklärung und ohne ausreichende Indikation nach einer neueren Methode des Bandscheibenersatzes operiert wurde.

Der Kläger wurde über mehr als zehn Jahre lang infolge von Bandscheibenvorfällen operativ behandelt. Aufgrund anhaltender Beschwerden an der Bandscheibe konsultierte der Kläger erneut einen Arzt, welcher keine Veranlassung für eine Operation gesehen hat.
In dem nunmehr beklagten Krankenhaus empfahl man dem Kläger jedoch, eine sogenannte Bandscheibenersatzprothese  implantieren zu lassen.
Der Kläger litt – trotz empfohlener Operation - nun auch weiterhin unter starken Rückenschmerzen, so dass er das Krankenhaus verklagte und ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000,- € einforderte.
Das Oberlandesgericht Hamm stellte fest, dass der Kläger nicht ausreichend über den Umstand aufgeklärt worden sei, dass die gewählte Behandlungsvariante zum Zeitpunkt der Operation ein relativ neues Operationsverfahren dargestellt habe. In Anbetracht der Behandlungsgeschichte des Klägers seien die Erfolgsaussichten bei Implantierung einer Bandscheibenprothese als wesentlich geringer einzustufen als bei einer sogenannten Bandscheibenversteifung (sog. operative Fusion).
Der Kläger konnte plausibel darlegen, dass er sich - für den Fall, dass er ordnungsgemäß aufgeklärt worden wäre - in einem Entscheidungskonflikt befunden hätte. Diese für den Kläger ungewisse Erfolgsprognose sowie die Tatsache, dass die Bandscheibenersatzoperation nicht gleichwertig zur Fusion war, hätten dem Kläger unmissverständlich deutlich gemacht werden müssen.
Zudem kam der medizinische Sachverständige zu dem Ergebnis, dass die Operation behandlungsfehlerhaft erfolgt sei, weil sie im vorliegenden Fall nicht ohne vorherige Testinfiltration hätte durchgeführt werden dürfen. In Anbetracht der relativen Neuartigkeit der Operation hätte es den Anforderungen eines vorsichtigen Arztes entsprochen, beim Kläger eine solche Testung vorzunehmen.

Zitiert nach OLG Hamm, Urteil vom 29.09.2014, Az.: 3 U 54/14