Das Oberlandesgericht Hamm hat bereits in einer Entscheidung aus November 2013 entschieden, dass ein Zahnarzt, den ein Patient mit Zahnbeschwerden im Oberkieferfrontbereich aufsucht, grob fehlerhaft handelt, wenn er den Patienten zur Befunderhebung lediglich röntgt und eine Vitalitäts- und Perkussionsprüfung der schmerzenden Zähne unterlässt.

In dem der Entscheidung zugrunde liegenden Fall befand sich die Klägerin seit mehreren Jahren in der zahnärztlichen Behandlung des Beklagten. Anfang Dezember 2008 suchte sie den Beklagten mit Zahnbeschwerden im Oberkieferfrontbereich auf. Der Beklagte veranlasste lediglich eine Röntgenaufnahme. Weitere Untersuchungen der schmerzenden Zähne fanden ausweislich der
Behandlungsunterlagen nicht statt. Eine bei den Zähnen vorliegende Zahnmarkentzündung wurde erst im Februar 2009 zahnärztlich versorgt. Zwei Zähne im Oberkiefer der Patientin konnten in der Folgezeit nicht erhalten werden, sie erhielten Wurzelfüllungen. Unter Hinweis auf die nach ihrer Ansicht unzureichende zahnärztliche Versorgung hat die Klägerin vom Beklagten Schadensersatz verlangt.
Das sich auf den Oberkiefer beziehende Schadensersatzverlangen der Klägerin hatte Erfolg.
Das Oberlandesgericht Hamm hat den Beklagten nach Anhörung des zahnmedizinischen Sachverständigen zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von € 3.500,- verurteilt.
Dem Beklagten sei ein grober Behandlungsfehler unterlaufen, weil er es unterlassen habe, den Zustand der schmerzenden Zähne klinisch zu befunden. Allein mit einem Röntgenbild erhalte man kein Gesamtbild über den Zustand der Zähne.
Eine Vitalitätsprüfung und ein Perkussionsbefund – welche zwingend hätten durchgeführt und dokumentiert werden müssen - habe der Beklagte in den Krankenunterlagen nicht festgehalten, so dass für den Senat nicht feststellbar sei, dass der Beklagte diese Untersuchungen überhaupt vorgenommen habe. Allein aus dem Röntgenbild habe der Beklagte keine ausreichenden Schlüsse ziehen können, weil ein Röntgenbild erst dann Auffälligkeiten darstelle, wenn eine Entzündung bereits den Knochen angegriffen habe. Aufgrund des groben Behandlungsfehlers trage der Zahnarzt die Beweislast dafür, dass sich der weitere Krankheitsverlauf auch bei richtiger Befundung und sodann erfolgter Behandlung nicht positiv geändert hätte. Diesen Nachweis habe der Beklagte nicht führen können. Deswegen hafte er für die um zwei Monate verlängerte Leidenszeit der Klägerin und den Verlust von Zähnen, die eine Neuversorgung im Oberkiefer erforderlich gemacht habe.

Zitiert nach OLG Hamm, Urteil vom 08.11.2013, Az.: 26 U 51/13