Das Oberlandesgericht Oldenburg hat imJanuar 2015 entschieden, dass ein Chiropraktiker, der keine Heilpraktikererlaubnis besitzt, und einen Patienten bei einer chiropraktischen Maßnahme (hier: Einrenken des Halses), verletzt, zum Schadensersatz sowie zur Leistung von Schmerzensgeld verpflichtet ist, da seine Tätigkeit wegen des Fehlens einer Heilpraktikergenehmigung unrechtmäßig war.

In dem zugrunde liegenden Fall suchte der Kläger Anfang 2008 wegen Kopfschmerzen und einem Kribbeln in der rechten Körperhälfte ein Krankenhaus auf, von wo aus er an einen Neurologen verwiesen wurde. Später litt er zusätzlich noch unter starken Rückenbeschwerden.
Daher suchte er einen sog. Reiki-Meister - den Beklagten - auf. Dieser war nicht im Besitz einer Genehmigung für Heilpraktiker. Der Beklagte bewegte den Kopf des Klägers ruckartig in verschiedene Richtungen.
Seitdem erlitt der Kläger mehrere Schlaganfälle. Der Kläger musste lange stationär behandelt werden, war für vier Jahre arbeitsunfähig erkrankt und wird dauerhaft unter den Folgen leiden. Bei ihm wurde ein Grad der Behinderung
von 50% festgestellt. Der Kläger machte nun aufgrund unsachgemäßer Behandlung durch den Beklagten Schadensersatz vor dem Landgericht Oldenburg geltend.

Das Landgericht gab dem Kläger Recht. Es verurteilte den Reiki-Meister zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von € 20.000,- und weiterer € 3.600,- als Schadensersatz. Dagegen legte der Reiki-Meister Berufung zum OLG Oldenburg ein.

Der beklagte Reiki-Meister hat sodann nach einem entsprechenden Hinweis des OLG Oldenburg seine Berufung gegen das Urteil des LG Oldenburg zurückgenommen, womit die landgerichtliche Entscheidung rechtskräftig geworden ist.

Das OLG Oldenburg hat dem Beklagten darauf hingewiesen, dass es nach der Beweisaufnahme (Sachverständigengutachten) der Auffassung ist, dass die Beschwerden des Klägers auf der Behandlung des Beklagten beruhen.
Bei der Behandlung durch den Beklagten seien kleine Blutgerinnsel, sog. Thromben gelöst worden, die die Blutgefäße im Gehirn verstopft und so zu einer Sauerstoffunterversorgung geführt hätten.
Die Behandlung sei auch unrechtmäßig, weil der Beklagte keine Heilpraktikergenehmigung besitze. Die chiropraktische Behandlung falle in den Anwendungsbereich des Heilpraktikergesetzes. Daher dürfe der Beklagte auch keine
Heilbehandlungen ausführen. Zweck des Erlaubnisvorbehalts des Heilpraktikergesetzes sei unter anderem, ein Minimum an Fachkunde auf Seiten des Behandelnden sicherzustellen, um die Patienten davor zu schützen, dass der Behandelnde sie,
z.B. weil er die Bedeutung seines Handelns verkennt, schädigt. Gerade diese Gefahr, vor der das Heilpraktikergesetz schützen soll, hatte sich aus Sicht des OLG Oldenburg hier verwirklicht.

Die patientenschützende Entscheidung ist selbstverständlich zu begrüßen. Jedoch begegnen die Ausführungen des OLG Oldenburg insoweit Bedenken, als dass die Anforderungen, die das Heilpraktikergesetz an die Erlangung einer Genehmigung stellt, eher als gering einzustufen sind und auch eine Behandlung durch einen Heilpraktiker - mit Genehmigung - im Gegensatz zur Behandlung durch einen fachkundigen Arzt einen zufriedenstellenden Ausgang nicht annähernd gewährleisten kann.

Zitiert nach OLG Oldenburg, Hinweis vom 26.01.2015, Az.: 5 U 71/13