Sachverhalt: Es existierte zugunsten des verstorbenen VN eine Rentenversicherung sowie eine Beitragsrückgewährversicherung; in der Beitragsrückgewährversicherung waren für den Fall des Todes des Versicherten die gesetzlichen Erben bezugsberechtigt.

In 2008 und 2009 wurde der jeweilige Jahresbeitrag i.H.v. 29.250,- Euro gezahlt.
Im Jahr 2010 erkundigte sich der (mittlerweile verstorbene) VN nach einer Beitragsfreistellung für die Rentenversicherung. Er teilte mit, dass er zumindest seine Beiträge zurück erhalten wolle. Der Versicherungsvertreter konnte nicht mitteilen, was an Kapital vorhanden war.
Er riet, zunächst vorsorglich einen Antrag auf Beitragsfreistellung zu stellen und die konkrete Berechnung abzuwarten; ferner, dass er dann immer noch die Versicherung [wieder beitragspflichtig] fortsetzen könne.
Es wurde jedoch nicht mitgeteilt, dass in den Versicherungsbedingungen der Beitragsrückgewährpolice geregelt ist, dass zum Erhalt des Garantiekapitals noch eine weitere Zahlung hätte geleistet werden müssen.
Nachdem die Versicherung den Antrag auf Beitragsfreistellung angenommen hatte und der Versicherungsnehmer verstorben war, zahlte sie an die Klägerin aus der Beitragsrückgewährversicherung nur einen Betrag von 45.062,65 Euro aus.
Hätte der VN den Zusatzbeitrag von nur 443,47 € gezahlt, wäre im Todesfall ein Betrag von 64.935,39 Euro ausgezahlt worden.
Die Erben machen den Verlust i.H.v. 15.595,57 Euro geltend, weil der Versicherungsvertreter dem VN nicht zur Zahlung des noch fehlenden Betrages geraten hatte.
 
Zu Recht, so das LG Landshut in seinem Urteil vom 09.08.2013 (72 O 3570/12)
 
„Die Beratungspflicht habe der Beklagte zu 2) als Vertreter der Beklagten zu 1) gemäß § 6 Abs. 5 VVG verletzt. Bei erfolgter Aufklärung hätte der Versicherungsnehmer den Zusatzbeitrag gezahlt, um die Rückzahlung der Beiträge zu sichern. Ein Mitverschulden lasse sich auch nicht daraus herleiten, dass der Versicherungsnehmer eine persönliche Beratung abgelehnt habe. Eine Beratung hätte nämlich auch telefonisch oder schriftlich erfolgen können.“

Der Versicherer ist daher gut beraten, über die Folgen einer Beitragsfreistellung einer privaten Rentenversicherung umfassend zu informieren. Das gilt auch für die Folgen bezüglich einer Beitragsrückgewährversicherung. Ausgelöst wird die Beratungspflicht durch die Äußerung des Wunsches nach einer Beitragsfreistellung. Der Versicherer muss mit seinem Fachwissen erkennen, was im Hinblick auf die gewünschte Beitragsfreistellung zur Minimierung von Verlusten dem Versicherten zu raten ist; daran fehlt es hier und verursachte einen Verlust von € 15595, 57.
Tut der Versicherungsvertreter dies als Beauftragter der Versicherung nicht, haftet er für die unterlassene Beratung, da ihm das schuldhafte Verhalten des Vertreters zugerechnet wird.